
Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störung (ASS) bei Erwachsenen
Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Haben Sie den Eindruck, dass soziale Situationen für Sie oft schwer verständlich sind? Fühlen Sie sich schnell von Geräuschen oder Eindrücken überfordert? Vielleicht fällt es Ihnen schwer, Routinen zu ändern oder spontane Veränderungen im Alltag zu akzeptieren? Diese und ähnliche Erfahrungen können auf eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) hinweisen. ASS ist eine neurobiologische Besonderheit, die das soziale Miteinander und die Wahrnehmung der Umwelt beeinflusst.
ASS-Diagnostik
Bislang ist das Diagnostikangebot für ASS im Erwachsenenalter begrenzt, sodass die Symptomatik häufig lange unentdeckt bleibt und der Leidensdruck bei Betroffenen wächst. Dabei kann eine umfassende und wissenschaftlich fundierte Diagnostik schnell Klarheit verschaffen und entsprechende Behandlungsoptionen eröffnen.

Wie kann es danach weitergehen? Behandlungsoptionen
Eine ASS-Diagnose kann helfen, langjährige Schwierigkeiten und Besonderheiten besser einzuordnen. Im Abschlussgespräch besprechen wir daher nicht nur das diagnostische Ergebnis, sondern auch Ihren individuellen Unterstützungsbedarf und mögliche nächste Schritte.
Gemeinsam können unter anderem folgende Themen betrachtet werden:
- besserer Umgang mit sozialen und kommunikativen Anforderungen,
- Erkennen und Reduzieren von Überlastung und Reizüberflutung,
- Gestaltung hilfreicher Routinen und alltagstauglicher Strukturen,
- Umgang mit Veränderungen, Unsicherheit und Stress,
- Einordnung von Masking- und Kompensationsstrategien,
- Entwicklung eines verständnisvolleren Umgangs mit den eigenen Bedürfnissen und Grenzen,
- Behandlung zusätzlicher psychischer Belastungen wie Depressionen, Ängsten oder ADHS.
Eine psychotherapeutische Behandlung zielt nicht darauf ab, autistische Eigenschaften zu beseitigen, da die Autismus-Spektrum-Störung eine neurobiologische Entwicklungsstörung und damit Teil der individuellen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweise ist. Sie kann jedoch dabei unterstützen, Belastungen zu reduzieren, individuelle Stärken gezielter zu nutzen und den Alltag stärker an die eigenen Voraussetzungen anzupassen. Bei behandlungsbedürftigen Begleiterkrankungen kann zusätzlich eine fachärztliche Mitbehandlung sinnvoll sein.
Perspektivisch ist in unserem Therapiezentrum außerdem ein Gruppenangebot für Erwachsene mit einer Autismus-Spektrum-Störung vorgesehen.
Überblick zum Ablauf der ASS-Diagnostik und Therapie
Strukturierte Diagnostik - gezielte Angebote
Wir bieten eine umfassende und wissenschaftlich fundierte Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Erwachsenenalter an. Die Untersuchung umfasst in der Regel sechs bis zehn Termine einschließlich Erst- und Abschlussgespräch. Eine psychotherapeutische Behandlung zielt nicht darauf ab, autistische Eigenschaften zu beseitigen, da die Autismus-Spektrum-Störung eine neurobiologische Entwicklungsstörung und damit Teil der individuellen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweise ist. Sie kann jedoch dabei unterstützen, Belastungen zu reduzieren, individuelle Stärken gezielter zu nutzen und den Alltag stärker an die eigenen Voraussetzungen anzupassen. Bei behandlungsbedürftigen Begleiterkrankungen kann zusätzlich eine fachärztliche Mitbehandlung sinnvoll sein. In Kürze ist in unserem Therapiezentrum außerdem ein Gruppenangebot für Erwachsene mit einer Autismus-Spektrum-Störung vorgesehen.
Ablauf der Diagnostik und Indikationsstellung
Die Diagnostik setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:
- Erstgespräch und diagnostische Einschätzung: Wir besprechen Ihre aktuellen Beschwerden, Ihren persönlichen Leidensdruck und die Gründe für Ihren Diagnostikwunsch. Mithilfe erster Screeningverfahren schätzen wir ein, ob eine vertiefte ASS-Diagnostik sinnvoll erscheint.
- Biografische und entwicklungsbezogene Anamnese: Gemeinsam betrachten wir die Entwicklung Ihrer sozialen Kommunikation, Ihrer Beziehungen, Interessen, Routinen und möglichen sensorischen Besonderheiten von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter.
- Diagnostisches Interview: Die Merkmale einer Autismus-Spektrum-Störung werden anhand der aktuellen diagnostischen Kriterien systematisch und über die gesamte Lebensspanne hinweg geprüft.
- Fremdanamnese: Nach Möglichkeit beziehen wir Angehörige ein, die Sie bereits in Ihrer Kindheit oder über einen längeren Zeitraum hinweg kennen, beispielsweise Eltern oder ältere Geschwister. Auch Schulzeugnisse, frühere Befunde und andere Entwicklungsberichte können wichtige Hinweise liefern.
- Verhaltensbeobachtung: Über die verschiedenen Termine hinweg berücksichtigen wir unter anderem die Gesprächsführung, die soziale Wechselseitigkeit, die nonverbale Kommunikation, den Umgang mit Mehrdeutigkeiten sowie mögliche Kompensations- und Anpassungsstrategien. Bei entsprechender Fragestellung kann ergänzend eine standardisierte Verhaltensbeobachtung mit dem ADOS-2, Modul 4, durchgeführt werden.
- Differentialdiagnostik: Da sich einzelne Merkmale einer ASS mit anderen psychischen Störungen überschneiden können, prüfen wir sorgfältig, ob beispielsweise ADHS, Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen, Traumafolgestörungen oder Persönlichkeitsmerkmale die Beschwerden besser oder zusätzlich erklären.
- Intelligenz- und neuropsychologische Leistungsdiagnostik: Je nach Fragestellung können Tests zur Einordnung des kognitiven Leistungsniveaus, der Aufmerksamkeit oder möglicher Leistungsunterschiede eingesetzt werden. Diese Untersuchungen dienen der individuellen Einordnung und Therapieplanung, stellen für sich allein jedoch keinen Nachweis einer ASS dar.
Besteht zusätzlich ein konkreter ADHS-Verdacht, kann die Diagnostik um entsprechende Interviews und Leistungstests erweitert werden. Hierfür sind in der Regel etwa drei zusätzliche Termine erforderlich.
Am Ende der Untersuchung erhalten Sie einen ausführlichen schriftlichen Befundbericht, in dem die erhobenen Ergebnisse, Testresultate und diagnostischen Schlussfolgerungen nachvollziehbar zusammengefasst werden. Im Abschlussgespräch erläutern wir Ihnen die Ergebnisse verständlich und beantworten Ihre Fragen.
Verhaltenstherapie bei ADHS
Wir erörtern gemeinsam Ihre persönlichen Ziele und stellen Ihnen wissenschaftlich fundierte Behandlungsmöglichkeiten nach dem aktuellen Forschungsstand vor.
Typische Themen in einer Verhaltenstherapie bei ASS
- besserer Umgang mit sozialen und kommunikativen Anforderungen,
- Erkennen und Reduzieren von Überlastung und Reizüberflutung,
- Gestaltung hilfreicher Routinen und alltagstauglicher Strukturen,
- Umgang mit Veränderungen, Unsicherheit und Stress,
- Einordnung von Masking- und Kompensationsstrategien,
- Entwicklung eines verständnisvolleren Umgangs mit den eigenen Bedürfnissen und Grenzen,
- Behandlung zusätzlicher psychischer Belastungen wie Depressionen, Ängsten oder ADHS.
Informationen zu den Kosten
Diagnostik: Unsere ASS-Diagnostik stehen derzeit nur für Privatpatienten und Selbstzahler zur Verfügung, basierend auf individuellen Honorarvereinbarungen. Oft ist eine teilweise Kostenerstattung durch Versicherungen möglich. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen übernehmen üblicherweise einen Großteil der Kosten, abhängig von Ihren spezifischen Vertragsbedingungen. Wir raten Ihnen, bei Ihrer Versicherung nachzufragen, inwieweit Diagnoseleistungen wie probatorische Sitzungen, Tests und Berichte übernommen werden.
Psychotherapie: Die Kosten für die von uns angebotene Verhaltenstherapie werden generell von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Private Krankenkassen und Beihilfestellen übernehmen in der Regel die Behandlungskosten ganz oder teilweise, wenn eine Psychotherapie notwendig ist. Ob und in welchem Ausmaß die Kosten erstattet werden ist allerdings von Ihren individuellen Vertrags- und Versicherungsbedingungen abhängig. Wir empfehlen Ihnen, dass Sie sich vor Behandlungsbeginn bei Ihrer Versicherung erkundigen, in welchem Umfang psychotherapeutische Leistungen erstattet werden. Sie können die Psychotherapie auch selbst bezahlen. Honorare für Selbstzahler werden auf der Basis einer individuellen Honorarvereinbarung nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) berechnet.